Folgen
Soweit ich zurück denken kann, hatte ich vor allem was sexuell war, Angst
Georges Bataille
Sehr früh in meinem Leben habe ich angefangen, mich für meine Sexualität zu interessieren. Ich habe sie gesucht, krampfhaft. Da war ich zehn Jahre alt. Bis heute habe ich sie nicht gefunden. Ich bin jetzt 50.
In den Zeiten, als mein Vater mich fast täglich missbrauchte, erlebte ich es als ein „Fremdgehen“ als einen Triumph ihn quasi zu hintergehen, in dem ich mich selbstbefriedigte. Aus dieser Haltung entstand das, was ich heute meine Sexualität nennen könnte.
Meine Sexualität war seine Sache, sein Spielzeug. Irgendwie ist das so geblieben. Kommt bei mir heute Lustgefühl auf, bin ich in Gedanken bei ihm, kämpfe gegen ihn an. Deshalb vermeide ich heute meistens jede Form von Lust.
Ich erreiche das durch Hungern. So bleibe ich antriebslos und schwach.
Es gab Zeiten, da nahm ich an, ich könne dieses Verhalten in gewisser Weise übertricksen. Ich soff und kiffte. Einerseits war mir dadurch gelungen, meine Empfindungen zur Lust zu betäuben und anderseits merkte ich nicht mehr so deutlich, dass ich mich auf meine Lustgefühle ein lies.
Jede Form von Sexualität ekelt mich, ängstigt mich und erscheint mir dämonisch. Selbst die zunächst angenehm empfunden Momente mit Partner/innen wandelten sich in schreckliche Erlebnisse um.
Dazu kamen meine Gedanken und Erinnerungen während der Berührungen. Ich konnte nicht unterscheiden ob es partnerschaftlich, einverständliche Berührungen waren oder ich mich missbrauchen ließ bzw. ich nicht sogar selbst missbrauchte. Ich erlebe da einen verhängnisvollen Kreislauf, den ich nicht durchbrechen kann. Um einigermaßen ausgeglichen zu bleiben vermeide ich fast jede körperliche Berührung.
Ein anders großes Problem ist mein Misstrauen, mir und anderen Menschen gegenüber. Ich schaffe es nicht, zu durchschauen was andere von mir wollen oder ich von anderen will. Immer wieder gerate ich so in Verwicklungen, Verwirrung und Enttäuschungen.
Sehr viel Energie in meinem Leben habe ich in die Flucht gesetzt. Ich fliehe aus der Realität. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals anders war. Schon als Kind war ich ein Träumer. Oft habe ich nicht mitbekommen was um mich herum geschah. Mein ehemaliger Alk und Drogenkonsum hatte auch diese Funktion der Realitätsflucht. Heute bin ich zwar schon seit vielen Jahren trocken und seit einigen Jahren clean, doch fällt es mir nach wie vor schwer mich den Aufgaben des realen, wirklichen Lebens zustellen. Das hat natürlich dazu geführt, das vieles immer wieder schiefgegangen ist und geht. Da waren Ausbildungsabbrüche und Kündigungen, eidesstattliche Erklärungen und mehrere Obdachlosigkeiten. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass ich nicht nur in Traumwelten flüchte sondern bei Problemen die auf mich zukommen, in so eine Art „Todstellreflex“ gerate. Es dauert oft Tage, bis ich realisiere, das ein unangenehmes Schreiben mich und mein Leben betrifft, ich mich entscheiden muss, zu Handlungen kommen muss.
Zu diesen aufgeführten Schwierigkeiten kommt meine anhaltende Schlaflosigkeit. Ich schlafe schlecht, von Alpträumen geplagt oder gar nicht. Dieser anhaltende Zustand von Schlafmangel macht es mir oft auch schwer ein geregeltes Leben zu führen.
Auch meine ständigen oft extremen Kopfschmerzen machen mich immer wieder handlungsunfähig.
Trotz all dieser Schwierigkeiten ist mir anderseits auch viel gelungen in meinem Leben. Dadurch, dass ich mich dazu entschlossen hatte, Künstler zu werden, sind viele Unregelmäßigkeiten meines Lebens nicht so ins Gewicht gefallen. Das, was mir zwar als Opfer oft nicht zu gestanden wird, ist dem „Künstler“ erlaubt. So kommt es , dass ich nicht resignierte und immer noch voller Hoffnung bin, jeden Tag ein wenig gesünder zu werden. Ich werde immer stärker, jeden Tag ein Stück
im Dezember 2004
Georges Bataille
Sehr früh in meinem Leben habe ich angefangen, mich für meine Sexualität zu interessieren. Ich habe sie gesucht, krampfhaft. Da war ich zehn Jahre alt. Bis heute habe ich sie nicht gefunden. Ich bin jetzt 50.
In den Zeiten, als mein Vater mich fast täglich missbrauchte, erlebte ich es als ein „Fremdgehen“ als einen Triumph ihn quasi zu hintergehen, in dem ich mich selbstbefriedigte. Aus dieser Haltung entstand das, was ich heute meine Sexualität nennen könnte.
Meine Sexualität war seine Sache, sein Spielzeug. Irgendwie ist das so geblieben. Kommt bei mir heute Lustgefühl auf, bin ich in Gedanken bei ihm, kämpfe gegen ihn an. Deshalb vermeide ich heute meistens jede Form von Lust.
Ich erreiche das durch Hungern. So bleibe ich antriebslos und schwach.
Es gab Zeiten, da nahm ich an, ich könne dieses Verhalten in gewisser Weise übertricksen. Ich soff und kiffte. Einerseits war mir dadurch gelungen, meine Empfindungen zur Lust zu betäuben und anderseits merkte ich nicht mehr so deutlich, dass ich mich auf meine Lustgefühle ein lies.
Jede Form von Sexualität ekelt mich, ängstigt mich und erscheint mir dämonisch. Selbst die zunächst angenehm empfunden Momente mit Partner/innen wandelten sich in schreckliche Erlebnisse um.
Dazu kamen meine Gedanken und Erinnerungen während der Berührungen. Ich konnte nicht unterscheiden ob es partnerschaftlich, einverständliche Berührungen waren oder ich mich missbrauchen ließ bzw. ich nicht sogar selbst missbrauchte. Ich erlebe da einen verhängnisvollen Kreislauf, den ich nicht durchbrechen kann. Um einigermaßen ausgeglichen zu bleiben vermeide ich fast jede körperliche Berührung.
Ein anders großes Problem ist mein Misstrauen, mir und anderen Menschen gegenüber. Ich schaffe es nicht, zu durchschauen was andere von mir wollen oder ich von anderen will. Immer wieder gerate ich so in Verwicklungen, Verwirrung und Enttäuschungen.
Sehr viel Energie in meinem Leben habe ich in die Flucht gesetzt. Ich fliehe aus der Realität. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals anders war. Schon als Kind war ich ein Träumer. Oft habe ich nicht mitbekommen was um mich herum geschah. Mein ehemaliger Alk und Drogenkonsum hatte auch diese Funktion der Realitätsflucht. Heute bin ich zwar schon seit vielen Jahren trocken und seit einigen Jahren clean, doch fällt es mir nach wie vor schwer mich den Aufgaben des realen, wirklichen Lebens zustellen. Das hat natürlich dazu geführt, das vieles immer wieder schiefgegangen ist und geht. Da waren Ausbildungsabbrüche und Kündigungen, eidesstattliche Erklärungen und mehrere Obdachlosigkeiten. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass ich nicht nur in Traumwelten flüchte sondern bei Problemen die auf mich zukommen, in so eine Art „Todstellreflex“ gerate. Es dauert oft Tage, bis ich realisiere, das ein unangenehmes Schreiben mich und mein Leben betrifft, ich mich entscheiden muss, zu Handlungen kommen muss.
Zu diesen aufgeführten Schwierigkeiten kommt meine anhaltende Schlaflosigkeit. Ich schlafe schlecht, von Alpträumen geplagt oder gar nicht. Dieser anhaltende Zustand von Schlafmangel macht es mir oft auch schwer ein geregeltes Leben zu führen.
Auch meine ständigen oft extremen Kopfschmerzen machen mich immer wieder handlungsunfähig.
Trotz all dieser Schwierigkeiten ist mir anderseits auch viel gelungen in meinem Leben. Dadurch, dass ich mich dazu entschlossen hatte, Künstler zu werden, sind viele Unregelmäßigkeiten meines Lebens nicht so ins Gewicht gefallen. Das, was mir zwar als Opfer oft nicht zu gestanden wird, ist dem „Künstler“ erlaubt. So kommt es , dass ich nicht resignierte und immer noch voller Hoffnung bin, jeden Tag ein wenig gesünder zu werden. Ich werde immer stärker, jeden Tag ein Stück
im Dezember 2004
samuel - 13. Nov, 22:24
